And-I-Love-Her

Reinhard Köchl / Neuburger Rundschau

And I Love Her – Marc Copland Trio

Das Beste kommt zum Schluss, und es klingt wie eine wohlbekannte Melodie aus weiter Ferne, die sich hinter zehn dicken Wänden enthebt. Es ist ein Suchen, ein Trudeln im Sog einzelner Töne, die jeder schon einmal irgendwo gehört hat, aber auf Anhieb nicht genau zu verorten weiß. Ein Bündel scheinbar falscher Noten just in dem Moment irgendwie genau am richtigen Platz. So, als würden sie wackeln, taumeln, vom C zum B und dann wieder zum Dis verrutschen. Ganz langsam ordnet sich das geplante Chaos wie ein organischer Selbstgesundungsprozess, fügt sich das auf dem Bösendorfer-Flügel scheinbar wahllos zusammengebastelte Konglomerat zu einem der schönsten Themen des Pop zusammen: Marc Copland und sein Trio kredenzen ihre Lesart des Beatles-Klassikers „ And I Love Her“. Ein Puzzle aus abstrakten Pinselstrichen, das auf wundersame Weise eine anrührende Melodie ergibt, die einem in ihrer ganzen Schlicht- und Schönheit einfach den Atem raubt und allein das Kommen an diesem Abend wert gewesen wäre. Verfremdet und doch so vertraut! Copland, das Chamäleon des modernen Jazz, war seit 1993 schon unzählige Male in Neuburg zu Gast. Gerade seine Fans im Birdland-Jazzclub konnten anhand jedes der Konzerte die Metamorphose des freundlichen Amerikaners mit dem feinen, kultivierten Humor und der Ausnahmebegabung an den 88 Elfenbeintasten hautnah mitverfolgen, seinen Aufstieg vom ehemaligen Saxofonisten zum Geheimtipp, vom angesehenen Pianisten zum gereiften, aus dem Rahmen fallenden Weltstar. Bei jedem Copland-Konzert durfte das Publikum im Hofapothekenkeller davon ausgehen, dass es wieder eine andere Facette dieses grandiosen Musiker serviert bekam. Selbst bekannte Stücke spielt der 71-Jährige immer anders, weil er nichts so sehr verabscheut, wie die Selbstkopie. Aus diesem Grund wirkt das aktuelle Konzept, das Copland und seine kongenialen Mitstreiter Drew Gress (Kontrabass) und Jeff Williams (Schlagzeug) in der intimen, stillen Atmosphäre des fast ausverkauften Gewölbes ausbreiten, charmant. Wählte der Amerikaner früher meist dunkle, introspektive Eigenkompositionen, so beschäftigt er sich heute überwiegend mit Standards oder anderen bekannten Weisen. Aber wie bei seinem Kollegen Keith Jarrett entsteht aus dem scheinbar in Stein gemeißelten hier immer etwas Unbekanntes, Überraschendes. „Love Letter“, seine Hommage an den verstorbenen Freund und jahrzehntelangen Partner John Abercrombie, mit dem er selbst mehrere Male in Neuburg gastierte, verfeinert er zu einer fragilen, hauchzarten Ballade, einem klingenden Gedicht, schlendernd, nachdenklich, ein wenig traurig, aber schlussendlich voller Hoffnung, vor allem, wenn Drew Gress Basslinien wie feinen Sand in den Hofapothekenkeller rieseln lässt. Neu ist auch Marc Coplands Hang zum kräftig pulsierenden, aber nie plump fußwippenden Swing, der in manchen Passagen fast wie ein mitternächtliches Jam-Intermezzo in einem New Yorker Jazzclub Anfang der 1960er Jahre anmutet. Auch ein Verdienst von Ersatz-Drummer Jeff Williams, der für den erkrankten Joey Baron eingesprungen war, aber so sicher und kommunikativ agierte, als wäre er seit langem fester Bestandteil des Trios. Wenn Copland Themen aus dem „Great American Songbook“ wie „Darn That Dream“ anstimmt, dann wirken diese im Gegensatz zu früher geradezu extrovertiert und nicht mehr wie ein versiegeltes Bergwerk voller Emotionen. Fast hat es den Anschein, als sei der ewige hadernde, introvertierte Grübler im gesetzten Alter endlich mit sich im Reinen, glücklich über seinen aktuellen Status, was jeder vor allem bei seiner Wahnsinnsinterpretation vom Herbie Hancocks „Cantaloup Island“ nachhören kann. Wie er, Gress und Williams das vibrierende, züngelnde Thema, das Jüngere nur mehr in der US3-Version „Cantaloop“ kennen, diesen berühmten Groove trotz einer Reihe verschobener Takte, abgewandelter Harmonien und durchbrochener Rhythmen als mächtigen, wellenförmigen Fluss unter dem Thema durchlaufen lassen, das ist schlicht grandios. Nur eine Facette eines Abends mit fünf Sternen, der am Schluss nach minutenlangen Ovationen die Qualität eines Geschenks für seine treue Anhängerschar in Neuburg erlangt hat.

Apr 21 2023

Someday – Space, elegance and heartiness are all at the forefront

The stupendous sound of American pianist Marc Copland is only matched by his immense creativity and originality. For this quartet session, recorded for his own label, the pianist teams up with bassist Drew Gress, a longtime partner in many musical voyages, and two new additions: Belgian-American saxophonist Robin Verheyen and ...
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Mar 23 2023

SE QUALCUNO VI CHIEDE CHE COSA SIA IL JAZZ, RISPONDETE PURE: «SOMEDAY» DI MARC COPLAND QUARTET!

Si potrebbe dire che Marc Copland sia un artista dalla doppia vita. Partito come sassofonista con ottime collaborazioni in qualità di sideman, tra cui Chico Hamilton, Cameron Brown e Jeff Williams e John Abercrombie. Insoddisfatto dei limiti armonici del suo strumento, a metà degli ’70 anni, il giovane Copland lascia ...
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Feb 27 2023

“One of today’s great pianists….Fresh, powerful, sensitive: this is without doubt one of the best quartet recordings in recent memory.”

Marc Copland, at 74 years old, has nothing more to prove. He’s played with the greatest, recorded superb discs and is recognized as one of today’s great pianists. He can play music free of any constraints, and choose his preferred partners. His old friend Drew Gress is on bass here, ...
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Feb 9 2023

“A dream musical partnership, and as always with Marc Copland: exciting!” Jazz Thing

Next stop for the restless adventurer Marc Copland: after his interlude with violinist Mark Feldman, the pianist is back with saxophonists, with whom he has a soulmate-like connection--because that was his original instrument. The first was the Frenchman Jean-Charles Richard (L'etoffe des Reves, La Buisonne) and now it’s the Belgian ...
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Dec 9 2022

Music is magic in this group’s hands, and Marc Copland is the master magician – AllaboutJazz

Marc Copland is a former saxophonist who found his instrument artistically confining for the purposes of expressing his vision. So he called on his childhood piano training (synaptic memories intact) to make the switch to the keyboard. The results have been magic. His artistry with the 88s is second only ...
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Dec 1 2022

Interview The New York City Jazz Record

Marc Copland has been creating vital music for more than 40 years and the pianist is arguably at the very top of his game. He is most well known for his long associations with bassist Gary Peacock and guitarist John Abercrombie, issuing several game-changing albums on ECM. Copland is a ...
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