Sven Haefliger
Marc Copland
Ich kann mich noch gut erinnern, als ich Marc Copland das erste Mal hörte. Es war irgendwann in den 90er Jahren. Mein damaliger Gitarrenlehrer gab mir den Tipp. Und so hörte ich ihn im Trio. Kenny Wheeler war glaub an der Trompete, John Abercrombie an der Gitarre. Das Trio kam ohne Rhythmsection aus und verstand sich “blind”. Alle hatten ein unglaublich gutes Timing und so funktionierte es. Natürlich ist es für den Zuhörer entsprechend anspruchsvoll, denn man kann ich irgendwo an nix festhalten und muss das Time genau so spüren wie die Musiker, sonst sagt einem das alles nichts. 🙂 Marc spielte nicht soviel, eher sparsam, nur mal kurz ein Walking Bass. Doch eines wurde sofort klar – der Mann weiss was er tut. Was er spiele möchte und was man halt besser nicht spielt und weglässt. Nur so entsteht gehaltvolle Musik. Über die Jahre hinweg bin ich ihn immer wieder hören gegangen, war mal an einem Workshop an der Jazzschule. Marc Copland spielte ab 2000 nur noch mit der crème-de-la-crème des Modern Jazz zusammen. David Liebman, Joey Baron, Gary Peacock und wie sie alle heissen. Gary Peacock (der Bassist des Keith Jarrett Trio) gründete irgendwann sein eigenes Trio und wählte Marc Copland als seinen Pianisten. Das sagt wohl schon alles aus über das Niveau. Marcs Klavierspiel verfeinerte sich über die Jahre von Album zu Album. Ich besitze eine CD aus den 80er Jahren wo er zwar irgendwie als “guter” Pianist noch durchging, jedoch höre ich da wenig von seiner jetzigen Handschrift. Was er sich erarbeitet hat die letzten Jahre darf man getrost als Weiterführung von Bill Evans oder Keith Jarrett ansehen. Er hat eine völlig eigene Sprache entwickelt, die fernab ist von Virtuosität. Es ist eher eine konzeptionelle und harmonische Virtuosität – er ist in der Lage die Musik so zu gestalten wie er es gerade möchte. Für mich die höchste Auszeichnung überhaupt. Am Meisten beeindruckt haben mich seine Konzerte mit dem Schweizer Bassisten Daniel Schläppi. Jeweils im Januar gehen die beiden in der Schweiz auf Tournee. “Ohne jemals geübt zu haben” wie sie mir versicherten. Beide verfügen über ein unglaubliches Timing und Gehör. Im 2024 habe ich Marc kontaktiert und ihn um eine Lektion gebeten als er auf Tournee war. Er willigte ein, war freundlich und bescheiden. Ein besonderes Erlebnis für mich, denn für mich ist er einer der besten Pianisten überhaupt.